Öfter mal was Neues: der erste Spielabbruch in der torfabrikalischen Vereinsgeschichte! In mehrfacher Hinsicht ein historischer Tag. Auch weil das Duell mit Landrat Thomas Grosche und den Bökelbergstürmern das letzte große Spiel im altehrwürdigen Dünnefeldstadion werden sollte. Ein unvollendeter Tag, der trotzdem nicht unschön war.
Nachdem der einst so heilige Rasen des Dünnefeldstadions dem Löwenzahn und den Spielkünsten der Torfabrik anheimfiel, wird der Platz nun bald saniert. Es folgen ein saftiger Kunstrasen, Flutlicht und ein Spielfeld, das näher an die verbleibende Tribüne rückt. In wenigen Wochen kommen die Bagger. Rund 1,8 Millionen lässt sich die Stadt das neue Fußballzentrum für die Vereine aus der Mescheder Kernstadt kosten. Ein Meilenstein auch für die Torfabrik. Da galt es natürlich würdig von jener Spielstätte Abschied zu nehmen, die für die Torfabrik spätestens mit dem Wunder vom Dünnefeld vor 10 Jahren den Status einer historischen Fußballkathedrale erhielt und Schauplatz von so manch inklusivem Fußballfest war.
Da Thomas Grosche, der Landrat des Hochsauerlandkreises, schwerer Fan von Borussia Mönchengladbach ist, wurden ihm als Begleitmannschaft die "Bökelbergstürmer" an die Seite gestellt. Unterstützt wurde der hiesige Fanclub der Borussia dabei von ein paar Dutzend Schlachtenbummlern. Diese brachten beste Laune mit, hatte die Fohlenelf doch am Tag zuvor mit einem Heimsieg gegen die "falsche Borussia" aus Dortmund den Klassenerhalt in der Bundesliga eingetütet.
Auf Seiten der Torfabrik konnte für das mit Spannung erwartete Duell auch noch Bürgermeister Christoph Weber als zusätzlicher Risikofaktor verpflichtet werden. Gemeinsam galt es, Landrat und Bökelbergstürmer zu besiegen. "Im Siegesfall kürzen wir die Mescheder Kreisumlage um 50%", schlug der Coach vor. Was für Bürgermeister Weber die finale Motivationsspritze sein sollte, sorgte bei Landrat Grosche für Stirnrunzeln. Diese Wette war immerhin runde 12 Millionen Euro wert.
Die gut gefüllte Tribüne bot einen würdigen Rahmen und einen hübschen Ausblick auf 5.000 Quadratmeter blühenden Löwenzahn. "Bitte nicht auf die Blumen treten", mahnte der Stadionsprecher die beiden Mannschaften noch, doch diese mähdreschten sich direkt hochengagiert über das Spielfeld. Es ging rauf und runter. Beide Teams zeigten sich blendend aufgelegt und produzierten trotz des ungewöhnlichen Geläufs Chancen wie am Fließband. Landrat Grosche wurde selbstverständlich Torfabrik-Starspieler und Vereinslegende Pille Bartsch als Kettenhund an die Seite gestellt, der seinen kniekranken Kontrahenten mit reichlich Trashtalk aus dem Konzept zu bringen versuchte.
Beim Stand von 2:1 für die Torfabrik pfiff Schiedsrichter und Ex-Torfabrik-Capitano Stefan Schau einen Handelfmeter für den Gegner. Der taktische Kniff, mit Junes Beule und Dr.Tim Schröder gleich zwei Torhüter zwischen den Pfosten zu platzieren, ging dabei voll auf. Dr.Schröder parierte den Strafstoß lässig mit dem Knie und sicherte der Torfabrik den knappen Vorsprung.
Danach wurde Schiedsrichter Stefan Schau aber doch noch zum spielentscheidenden Mann. Dass nach drei Wochen Dürre ausgerechnet kurz nach Spielbeginn ein Gewitter über das Spielfeld tobte, verlieh dem Ganzen eine durchaus tragische Note. Nach den ersten Blitzen schickte Schiri Schau die Mannschaften vernünftigerweise auf die Tribüne, von wo aus beide Teams und ihre Fans zusahen, wie die Fußballwelt und die gut organsierte Veranstaltung im Starkregen unterging. Nach rund 15 Minuten war also Schluss und an ein Weiterspielen nicht mehr zu denken.
Ein unvollendetes Fußballfest, das die Spieler, Fans und Organisatoren ratlos und sportlich leicht verbittert zurückließ. Schade war`s, aber trotzdem irgendwie auch ganz schön. Statt Pyrotechnik zu zünden, wurde unter der Tribüne der Schwenkgrill angefeuert. Dazu reichte die Torfabrik eine erlesene Auswahl an Produkten aus dem Hause Veltins. Etwas anders geplant war's trotzdem ein schöner Fußballabend.
Irgendwann soll das Match fortgesetzt werden. Dann wird das Spielfeld garantiert frei von Löwenzahn und das Wetter bestimmt besser sein. Die letzten Gäste waren der Landrat und der Bürgermeister, die noch beim Abbau halfen und das torfabrikalische Equipment schleppten. Beim Stand von 2:1 für die Torfabrik geht es weiter. Die steuerzahlende Mescheder Bevölkerung wird gewiss die Daumen drücken.


























